Mein wissenschaftlicher Ansatz versucht den Brückenschlag zwischen klinisch-psychologischer und grundlagenorientierter Forschung. Der Fokus liegt auf dem Störungsbild der Depression. Was sind die Ursachen und aufrechterhaltenden Faktoren und wie können Depressionen erfolgreich behandelt werden?  Da depressive Störungen häufig mit Entscheidungsunfähigkeit und rational-analytischem Grübeln einhergehen, untersuche ich, ob Patienten mit Depression den Zugang zu ihren Bauchgefühlen verloren haben und damit in ihrer intuitiven Urteilskraft eingeschränkt sind. Erste Ergebnisse sprechen für aber auch gegen diese Annahme (offenbar abhängig von der Art der Intuition).

 

Da Intuitionen im alltäglichen Leben sehr hilfreich sind, gehe ich darüber hinaus der Frage nach, wie intuitives Urteilen gefördert werden kann.

Durch die enge Zusammenarbeit mit meinem Supvervisor Prof. Johannes Michalak (Universität Hildesheim und Witten/Herdecke) bildete dabei das Thema Achtsamkeit einen weiteren Forschungsschwerpunkt. Achtsamkeit bedeutet, die Aufmerksamkeit auf das Hier-und-Jetzt zu fokussieren und dabei Gefühle, Gedanken und andere Empfindungen wahrzunehmen, ohne diese zu bewerten. Achtsamkeitsbasierte Ansätze haben sich in der Vergangenheit als wirksam bei der Behandlung von psychischen Störungen erwiesen, insbesondere bei der Rückfallprophylaxe für Patienten mit rezidivierenden Depressionen.

An der Universität Hildesheim habe ich in Zusammenarbeit mit Prof. Sascha Topolinski (Universität Würzburg und Köln) den Einfluss von Achtsamkeit auf intuitive Entscheidungen untersucht. Unsere Grundannahme, dass eine achtsame Haltung zu einer gestärkten Intuition führt, konnte vorläufig nicht bestätigt werden. Erste Ergebnisse zeigten vielmehr  entgegengesetzte Zusammenhänge.

 

 

Bezüglich der Frage warum und wie Achtsamkeitsinterventionen ihre positiven Effekte entfalten, habe ich weiterhin in Zusammenarbeit mit Prof. Sander L. Koole im Emotion Regulation Lab (VU Universität, Amsterdam) den Einfluss von Achtsamkeit auf implizite Emotionsregulation untersucht. Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass explizite, auf Selbstbericht beruhende negative Stimmungsmaße aber auch weniger bewusste, implizite Stimmungsindikatoren durch Achtsamkeit positiv beeinflusst werden können.

 

Aktuell untersuchen Dr. Thea Zander von der Universität Basel und ich in einem Kooperationsprojekt, welche emotionalen Zustände intuitives Urteilen fördern oder verhindern und unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Konsequenzen Personen im Alltag intuitiv urteilen und entscheiden.